Osiris – Mit den Toten reden

Videoarbeit für die Inszenierung „Osiris – Mit den Toten reden“ von Brian Michaels / Zollverein Konzerte I/09 Osiris ist eine Sprechoper nach dem „Ägyptischen Totenbuch“  des Ägyptologen und Kulturhistorikers Jan Assmann. Osiris – Mit den Toten reden ist ein Sprech-Stück für weibliche und männliche Stimmen. Die altägyptischen Originaltexte stammen aus dem Totenbuch und anderen Quellen. Sie werden hier in die Ordnung eines Rituals gebracht, das sich in fünf Bildern entfaltet. Dieses Ritual ist eine Rekonstruktion, die darauf abzielt, den Originaltexten und den ihnen zugrunde liegenden ägyptischen Todesbildern sinnliche und szenische Präsenz zu verleihen und ihre zeitlose Aktualität deutlich zu machen. Die Texte folgen der rituellen Logik des ägyptischen Totenrituals von der Mumifizierung des Leichnams über die »Rechtfertigung« im Totengericht bis zur Sarglegung. Der Weg, den der Verstorbene dabei zurückzulegen hat, führt ihn aus der Lebens- in die Todeswelt und aus dieser durch den Prozess des Totengerichts zur Erlösung vom Tode und in ein ewiges Leben im Leib der großen Mutter, der Himmelsgöttin.

Nachtkritik beschrieb den Abend so:

Ein kühnes Crossover also von Respekt einflößender wissenschaftlicher Forschung und experimentellen theatralischen Formen. Das kann leicht im „gut Gemeinten“ stecken bleiben, das ja bekanntlich das Gegenteil von Kunst ist. In Essen gelingt das Wagnis, und das ist wahrscheinlich darauf zurück zu führen, dass man erst gar nicht eine szenische Bebilderung und musikalische Illustration des Totenrituals oder des Mythos um den erschlagenen und in der Unterwelt wieder auferstandenen Gott Osiris angestrebt hat. Die Komponenten des  Abends entwickeln sich unterschiedlich, interagieren nur punktuell, geben ein Konzert, in dem jede Stimme ihr eigenes Recht hat: das Körper und Gesichter bis an die Grenze des Abstrakten verfremdende Video, die Aktionen der fünf Darsteller: zwei Männer, zwei Frauen und ein Kind repräsentieren verschiedene Lebensstadien und zeigen archetypische Situationen von Verlust und Wiederfinden, Vereinzelung und Begegnung, Lebendigkeit und Starre (Choreografie: Nadia Kevan). Die außerordentlich spannende Musik von Günter Steinke ist konsequent heutig in ihren Mitteln, klanglich reizvoll und atmosphärisch dicht.

– Ulrike Gondorf, Nachtkritik 22. Januar 2009.

Das Programmheft gibt es als PDF hier.

Das Video: