Posts tagged ‘Münstersche Zeitung’

“Köstlich und ein wenig skurril”

April 17th, 2013

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Kai Niggemann sitzt vor einem Tisch mit einem modularen Synthesizer, steckt bunte Kabel in das Gerät und dreht an kleinen Knöpfen. Im schwarzen Anzug mit Freizeitschuhen, die Haare toupiert, erinnert er an Robert Moog oder Daniel Düsentrieb.

Das Lecture-Konzert „Menschmaschine“ am Sonntagabend im Pumpenhaus wendet sich an ein breites Publikum und baut keine fachmännischen Hürden auf.

In schön flüssigem Verlauf erzählte er frei aus der Geschichte der Synthesizer und stellte pantomimisch das fast 100 Jahre alte Theremin vor.

Köstlich: Ein paar Gesten, der für das Theremin typischen Spielerpose nachempfunden, und ein paar schwirrende Sounds, mit dem Mund produziert, und schon war das Instrument mit dem elektromagnetischem Feld vorstellbar.

Und dann setzte Niggemann den Kopfhörer auf, hörte sich einen Kommentar zum Synthesizer auf seinem Smartphone an und übersetzte, so sagte er, simultan. Das Publikum hörte den englischsprachigen Originalkommentar nicht und Niggemanns Übersetzungen wirkten deshalb ein wenig skurril.

(Heike Eickhoff, Westfälische Nachrichten, 16.04.13)

“Diffizile Komposition, die an Tucholskys Rezension des ‘Ulysses’ denken lässt”

April 17th, 2013

MZ-Logo-150 ” Mit kunstvoll zerzausten Haaren steht er auf der Bühne und erklärt die Funktionsweise des Geräts. Aus der Tasche seines Sakkos hängt ein rotes Kabel — als Nachweis seiner Profession. (…)

Heute stößt man überall auf elektronisch erzeugte Töne, sei es im Hörspiel oder in der Popmusik. Oder bei einem reinen Synthesizer-Konzert, wie es Niggemann im Anschluss an den Vortrag aufführt. Dieses entpuppt sich als diffizile Komposition aus Rauschen, Sirren und Fiepsen, die einen an Tucholskys Rezension des “Ulysses” von James Joyce denken lässt. Das Buch sei wie ein Brühwürfel, hatte er geschrieben. Pur könne man es nicht genießen, aber es lassen sich viele Suppen damit zubereiten.”

(Helmut Jasny, Münstersche Zeitung 16.04.13)

“Theater wie es sein sollte, aufwühlend und unterhaltsam.”

November 5th, 2011

 

In der Münsterschen Zeitung schrieb Heiko Ostendorf:

Leben wir tatsächlich in der besten aller möglichen Welten? Diese Frage beantwortet die experimentierfreudige Theatercollage “Pandaemonium” von Paradeiser Productions bei der umjubelten Premiere am Dienstagabend im Keller des Pumpenhauses mit einem klaren Nein. (…)

“Ihr könnt euch nicht das Ende des Kapitalismus vorstellen”, kritisert Schauspieler Philip Gregor Grüneberg und geht dabei drohend an den lang gezogenen Zuschauerreihen vorbei. “Das Problem ist das System”

Was sich zunächst wie eine schlichte Zusammenfassung der Kapitalismuskritik von Flash-Mobs, Feuilletons und Fernsehreportagen anhört, mutiert unter der Regie von Ruth Schultz zu einem düsteren Horrorfilm und begeistert schließlich mit parodistischen und politischen Elementen, die miteinander verzahnt sind. (…)

Grüneberg und Jennifer Ocampo Monsalve verballhornen die Horrorfilmästhetik und kritisieren gleichzeitig das ausbeuterische Verhalten von Kapital und Wirtschaft: herrlich satirisch und mit den atmosphärischen Sounds von Musiker Kai Niggemann stimmungsvoll aufbereitet.

Theater wie es sein sollte, aufwühlend und unterhaltsam.

(Heiko Ostendorf, Münstersche Zeitung, 03.11.2011)